Auch das große Unwetter warf ihn nicht aus der Bahn

Als Jockey erging es Peter Schiergen wie so vielen seiner Größen seiner Zunft: Sie siegten in nahezu allen großen Prüfungen, doch das Derby und somit wichtigste Rennen der Saison, das sollte nicht in ihren Rekordbüchern stehen. Nahe genug dran war auch Peter Schiergen mehrfach gewesen, wenngleich er sich erinnert, dass er unter seinen insgesamt zehn Derby-Ritten nie auf einem Favoriten saß.

Aber einmal, so erinnert er sich noch ganz genau, da habe er das Blaue Band so gut wie in der Tasche gehabt, doch es sollte einfach nicht sein. 1992 war dies, als die Bahn in Horn nach tagelangen Regenfällen sehr schwer geworden war.

Peter Schiergen: „Mit Gestüt Birkenmoors Natiello rückte ich im Einlauf früh aus, behauptete lange einen deutlichen Vorteil und war mir dann bereits sicher, das Derby zu gewinnen. Der Pfosten war eigenlich schon da, als ganz außen an den Rails Pik König angerauscht kam und den Kopf in Front streckte. Das war wirklich sehr, sehr bitter.“

Ein Jahr später wurde er auf Monsun – es gewann der Trainingsgefährte Lando – erneut Zweiter. Wie auch 1996 mit Surako in der zweiten Fährhofer Farbe, als die erste Lavirco überlegen siegte.

Als Trainer sollte dies anders werden. Mit Sumitas und Tiger Hill schickte der Nachfolger von Heinz Jentzsch bereits in den ersten Jahren seiner neuen Tätigkeit zwei äußerst chancenreiche Kandidaten ins Blaue Band, doch beide blieben an diesen Tagen deutlich unter ihrer Bestform.

„Wie das halt so ist, denn es ist schon ein verrücktes Rennen“, meint auch Peter Schiergen. Auf seinen ersten Derby-Sieger als Trainer aber brauchte er dann dennoch nicht allzulange zu warten. 2001 war es soweit, als Gestüt Ammerlands Boreal im BMW 132. Deutschen Derby triumphierte.

Es war ein sehr offenes Derby, nachdem am Morgen des großen Tages der heiße Vorfavorit Sabiango wegen des zu schwer gewordenen Bodens abgemeldet worden war. Das „Stellpferd“ im Derby war nun nicht mehr dabei und mit einem Schlag war alles offen. Boreal ging zu einer Quote von 104:10 ins Rennen, sechs Pferde notierten unter 100:10, der Toto-Favorit hieß Limerick Boy zu einer Eventualquote von 50:10.

Was sich am Vorabend zum Blauen Band 1992 abspielte, dies hatte man an der Alster auch in dieser Dimension noch nicht gesehen. Es war eine gespenstische Szenerie, die sich gegen 16.20 Uhr entwickelte. Aus dem Himmel schwarz wie die Nacht, ergossen sich Regenfluten über die Bahn, zudem fegte ein orkanartiger Wind alles weg, was nicht hundertprozentig verankert war. Als der Spuck nach knapp 30 Minuten vorbei war, stand die Derby-Bahn unter Wasser, der Samstagrenntag musste nach dem fünften Rennen abgebrochen werden.

Achtzehn Pferde gingen dann am Sonntag ins BMW Derby, neben der Abmeldung von Sabiango wurde auch noch Scapolo zum Nichtstarter erklärt. Peter Schiergen erinnert sich: „Der Boden war schwer geworden, aber ich hatte diesbezüglich keinerlei Bedenken. Boreal war hundertprozentig fit. Ich hatte ja bereits früh im Jahr die Vermutung, dass Boreal ein echtes Derby-Pferd sei.

Aber er musste einige Male laufen, um den richtigen Schliff zu bekommen. Das ist uns gelungen. John Reid, der ihn auch in der Union geritten hatte, zeigte sich im Vorfeld sehr optimistisch, den in Köln lief Boreal immer noch grün. Und John sagte mir dann, dass der Hengst nun soweit wäre. Er hatte richtig Mumm, und ich bekam noch mehr.“

Im Führring gab es keine „große Order“, doch auf ein Detail, darauf wollte der Asterblüte-Coach noch einmal nachdrücklich hinweisen. „Boreal war ein sehr phlegmatischer Bursche, man durfte nie aufgeben, musste ihn stets unterstützen. Dies hab ich John noch einmal ausdrücklich mit auf den Weg gegeben“, so Peter Schiergen, der dann im Rennen eigentlich zeitig davon überzeugt war, dass sein Schützling als Sieger die Linie passieren würde.

John Reid war mit dem Ammerländer im letzten Bogen in die vordere Linie gerückt, im Einlauf lief alles reibungslos ab. Boreal steigerte sich großartig und passierte mit eineinhalb Längen vor dem stark endenden Lierac und Near Honor die Linie.

Für Schlenderhan war Iberus von Peter Schiergen ins Rennen geschickt worden. Der Dritte aus dem italienischen Derby kam über Rang dreizehn aber nicht hinaus. Der Asterblüte-Coach: „Mir tat dies damals schon leid, denn Schlenderhan ist ja mein Hauptbesitzer. So richtig habe ich mich kurz nach dem Derby-Triumph gar nicht freuen können. Heute sehe ich das anders, da genieße ich zunächst einmal den Sieg.“

Boreal, darüber waren sich die Experten doch schnell einig, war ein würdiger Derby-Sieger. „Das hat er nicht zuletzt bei seinem Triumph im Coronation Cup von Epsom und auch als Dritter im Dubai Sheema Classic bewiesen“, resümiert Boreals Betreuer.

Es spricht viel dafür, dass Peter Schiergen am ersten Juli-Sonntag seinen zweiten Derby-Sieger auf dem Horner Moor in Empfang nehmen kann. Europas Rekordhalter im Sattel: „Klar, die Favoriten kommen aus meinem Stall. Es sieht im Vorfeld nun wirklich nicht schlecht aus. Als Jockey habe ich den Druck vor dem Derby nie so richtig gespürt. Das ist als Trainer anders, da ist der Druck schon stärker.“

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