Britannias Derby-Doppel mit Alpenblick

Sie genießt den Blick auf den Starnberger See. Und auf die Alpen. Sie tummelt sich in malerischer Landschaft auf einer Koppel des Gestüts Ammerland mit ihrer Tochter Bougainvillea und Margie’s Gold. Und sie freut sich sichtlich ihres Lebens. Obwohl am 1. Juli irgendetwas anders war als sonst. Warum nur kam an diesem Tag, noch dazu an einem Sonntag, das Essen später als üblich? Wenn Pferde sprechen könnten, hätte es Protest gegeben. So blieb nur das Warten auf die tägliche Ration Futter. Es war 18 Uhr, als mit einer Stunde Verspätung aufgetischt wurde. Die Gestütsmannschaft hatte Wichtigeres zu tun. Man saß versammelt vor dem Fernseher, um sich das 132. BMW Deutsche Derby und den Triumph von Boreal anzusehen. So etwas kommt schließlich nicht alle Tage vor. Die Pferde nach dem unvergesslichen Moment zu füttern, hat den Leuten im Gestüt dann entsprechend mehr Spass gemacht und Britannia bekam auch üppige Sonderklapse für ihr zweites Meisterstück.

Es war ein historischer Moment. Am 1. Juli, es war 17:04 Uhr, als sich Britannia in eine Reihe mit Kirschfliege, Ordinale und Laurea gestellt hat. Diesen drei Stuten war es bisher gelungen, zwei Derbysieger zu stellen. Kirschfliege ist die Mutter von Kaliber (1954) und Kilometer (1956), die mit dem legendären Hein Bollow das Derby in Hamburg gewannen. Ordinale siegte 1981 mit Orofino und zwei Jahre später mit Ordos, beide geritten von der Katze im Rennsatte, Peter Alafi. Laurea schließlich stellte die Derbysieger der Jahre 1993 und 1994: das Bruderpaar Lando und Laroche. Und nun Britannia: nach Borgia machte sie mit Boreal ebenfalls den Derby-Doppler perfekt. Ein ganz und gar nicht alltägliches Ereignis.

Für das Gestüt Ammerland ist das wie ein Ritterschlag: der zweite Derbysieger in kurzer Zeit aus der eigenen Zucht. Das Beste, so scheint es, ist unter diesen Gesichtspunkten gerade gut genug. Am Starnberger See tummeln sich Stuten, die von Weltklasse-Hengsten tragend sind.

Britannia ist tragend von Rainbow Quest, ihre Tochter Bougainvillea von Grande Lodge und Borgia hat sogar schon ein Hengstfohlen von Sadler’s Wells bei sich. Sadler’s Wells – der teuerste und natürlich auch beste Deckhengst der Welt, hat auch Britannia bereits gedeckt. Der erste Versuch der Bedeckung 1998 schlug fehl, die Stute blieb güst. Am 10.04.2000 erblickte dann aber tatsächlich ein kleiner Raufer das Licht der Welt. Namenlos ist er heute noch, und am Tag nach dem Derbysieg von Boreal ist er schon nach Deauville, ins französische Nobel-Seebad aufgebrochen. Dort wird der Hengst am 18. August auf der Jährlingsauktion angeboten. Ob er verkauft wird, ist die andere Frage. "In Deutschland", sagt Ammerlands Gestütsleiterin Daniela Nowara, "würde er wohl alle Auktionsrekorde brechen." Kein Wunder, bei der Familiengeschichte.

Britannia, das war schon eine richtig gute Stute. Marlies Schütz, Mutter von Trainer Andreas Schütz, hat die Stute einst gezogen. Die ersten Starts hat Britannia im Jahr 1988 auch noch ihn den Schütz-Rennfarben absolviert, dabei ein Sieglosen-Rennen am 4. April in Köln gewonnen, Platz sechs im Las Vegas-Slenderella-Rennen belegt, das Attelage-Rennen am 05. Juni in Iffezheim wieder siegreich beendet, Platz zwei im Preis der Diana belegt und denselben Platz auch noch im Ludwig Goebels-Erinnerungsrennen in Krefeld. Dann wurde Britannia verkauft, setzte ihre Laufbahn für den Stall Marcassargues fort. Dahinter verbarg sich schon Ammerland-Besitzer Dietrich von Boetticher. Für diesen gewann Britannia prompt den Stutenpreis in Hannover, das Deutsche St. Leger in Dortmund, im Jahr darauf das Oleander-Rennen in Iffezheim. 302.347 Mark hatte Britannia verdient, als sie im Alter von vier Jahren die Rennbahn verließ.

Die Mutterstuten-Geschichte ist eine durchaus nicht alltägliche. Immer nur alle zwei Jahre brachte sie ein Fohlen zur Welt. 1992 Berzona, die nie ein Rennen bestritten hat. 1994 die unvergleichliche Borgia (3.038.904 Mark Gewinnsumme), 1996 Bougainvillea (ein Sieg), 1998 Boreal und 2000 besagten noch namenlosen Sadler’s Wells – Jährling. 2002 wird dann ein Fohlen von Rainbow Quest geboren werden, schon im Januar, "weil sie in diesem Jahr viel früher aufgenommen hat als sonst", wie Gestütsleiterin Daniela Nowara erzählt. Bis dahin schaut Britannia noch ein wenig auf die Alpen und auf den Starnberger See.

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