Trainer Paul Harley ist kein Mann der großen Worte. Nur ungern lässt sich der Sassenberger vor einem Start seiner Pferde in die Karten schauen. Nicht anders sieht die Sache im Vorfeld des mit 20.000 Euro dotierten Bremer Derby-Trials, einer Listenprüfung über 2.200 Meter, bei der schon jede Menge Stamina an den Derbyjahrgang verlangt wird, aus.
„Lassen wir lieber die Pferde sprechen, durch das, was auf dem Turf passiert“, gab sich Paul Harley vor einigen Wochen bei einem ähnlichen Rennen freundlich zugeknöpft. Und der Erfolg gibt dem 46jährigen Recht. Denn bei 29 Starts fuhr Harley neun Siege in den letzten Wochen und Monaten mit seinen Pferden ein. Das kann sich nicht nur sehen lassen, sondern zeigt, wie zielorientiert das Warendorf-Quartier die Pferde an den Ablauf bringt (Zum Langzeitmarkt).
Vielleicht springt am Sonntag auch ein gewisser Darak noch auf den Derbyzug? Warum nicht. Der braune Anabaa-Sohn des Stalles Epona hat jedenfalls einigen Eindruck beim zweiten Start hinterlassen, mit den Gegnern sozusagen Katz und Maus gespielt und dabei die erwartete Steigerung imposant auf dem Rasen umgesetzt. Überlegen sechs Längen, lautete der Richterspruch und diesmal sitzt ein derbyerfahrener Jockey mit dem Schweden Fredrik Johannson im Sattel, den der Trainer noch aus Schlenderhaner Zeiten gut kennt.
Es wäre also alles andere als eine Überraschung, wenn Darak für den ersten Big Point seines Trainers sorgen könnte.
Eine scharfe Klinge sollte in diesem Zusammenhang aber auch Aspilan aus dem Bergheimer Formquartier von Jens Hirschberger schlagen. Nicht minder eindrucksvoll fiel das Debüt des aus einer Monsun-Tochter, die ihreszeichens selbst Listensiegerin war, stammenden Shamardal-Sohns, aus. Turmhoch überlegen tat sein Jockey nur das Nötigste, hochüberlegen lautet schließlich auch der Richterspruch.
Gebhard Apelt, Schlenderhans Generalmanager: „ In Köln hat er wirklich überzeugend gewonnen. Diesmal geht es deutlich weiter. Abwarten, ob er als Shamardal-Sohn mit der Distanz klar kommt. Alles weitere werden wir dann am Sonntag nach dem Rennen entscheiden“.
Eine Derbynachnennung ist hingegen beim Fährhofer Secessio (Foto) erst mal kein Thema. So äußerte sich zumindest dessen Trainer Waldemar Hickst im Vorfeld des Derby-Trials. Doch das ändert nichts an der Hochachtung vor der Badener Leistung des Fährhofers zuletzt, dessen Form durch Andolinis und Girolamos ansprechende Leistungen aus der Union noch einmal eine sportliche Aufwertung erfahren hat.
Das kleine, aber feine Feld komplettieren Russian Song und Baltic Rock. Erstgenannter ist nicht nur als Russian Tangos „kleiner Bruder“ empfohlen, sein Trainer Andreas Wöhler eilt aktuell zudem von Erfolg zu Erfolg. Warum soll sich also der Darboven-Vertreter nicht auch entsprechend steigern und ein gehöriges Wort um eine vordere Platzierung mitreden?
Seltener sind die Ritte des in Prag lebenden Engländers Gary Hind in Deutschland im Rennsattel geworden. Ihn wird man im hohen Norden als Partner des Ammerländers Baltic Rock sehen, der nach einem hochüberlegenen Maidensieg auf der Heimatbahn nun mal wieder gegen höherwertige Kaliber Farbe bekennen muss. Im Frankfurter Gruppe-Rennen musste er noch einigen anderen den Vortritt lassen, doch Steigerung darf man auch dem Rock of Gibraltar-Sohn sicher zutrauen.











