INTERVIEW RALF STEINMETZ

INTERVIEW RALF STEINMETZ
„Schaue mir das Derby in der Wiederholung an“

GaloppOnline.de: Sie sind seit vielen Jahren Hauptstarter beim Derby in Hamburg. Ist man vor solch einem Rennen nervöser als sonst?

Ralf Steinmetz: Ich bin seit 1989 als Starter tätig, in den Anfangsjahren als Stellvertreter von Jobst Spengemann. Mein erstes Derby als Starter war 1997 (Borgia). Im Grunde muss man an das Derby herangehen wie an jedes andere Rennen auch. Trotzdem steigt gerade beim Derby die Nervosität sicherlich etwas mehr, insbesondere wegen der Bedeutung des Rennens, dem Publikumszuspruch etc. und der Frage, ob an der Startstelle alles so wie geplant und im vorgegebenen Zeitrahmen klappt (TV, PMU-Equidia). Seit 1997 habe ich bisher mit meiner Mannschaft die vorgegebene Startzeit für das Derby einhalten können.

GaloppOnline.de: Im Blauen Band können 20 Pferde starten, soviele wie sonst kaum einmal in einem anderen Rennen. Ist Ihre Mannschaft dann auch größer als normal?

Ralf Steinmetz: In NRW stehen mir in der Regel 8 Starthelfer zu Verfügung. Das ist bei Renntagen mit grossen Feldern sicherlich an der Grenze des Machbaren. Bei den Meetings in Baden-Baden und Hamburg sind es dann 10/11 Starthelfer und eine vernünftige Basis.

GaloppOnline.de: Mit Argentano wurde einmal ein Derby-Pferd an der Startstelle „vergessen“. Wäre solch ein Fauxpas heute bei aller Technik noch möglich?

Ralf Steinmetz: Dies ist auch sicher heute noch möglich, denn bei aller Technik hat sich am Start seit Argentano nicht viel verändert. Wenn man als Starter ein falsches Signal erhält oder meint zu erhalten, kann dies sicherlich auch heute passieren.

GaloppOnline.de: Auf vielen Bahnen häufen sich Fälle von Durchbrechen der Boxentüren. Sind die Startmaschinen veraltet? Was würde eine neue Maschine kosten? Wie ist der Zustand der Hamburger Boxen?

Ralf Steinmetz: Ein Teil unserer Startmaschinen ist meiner Meinung ganz sicher veraltet und entspricht nicht den heutigen Standards. Aber eine Neuanschaffung ist bei den meisten Vereinen aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel auf absehbare Zeit sicher nicht zu realisieren, da dies meines Erachtens (wenn man wirklich etwas Gutes haben will, siehe französische Grossbahnen) Investitionen im sechsstelligen Bereich erfordert. Die Hamburger Startmaschine ist auch schon nicht mehr die Jüngste, ist aber optisch und technisch in einem guten Zustand.

GaloppOnline.de: Die wohl modernste Startmaschine steht in Bremen. Könnte diese auch an andere Bahnen „verliehen“ werden?

Ralf Steinmetz: Das müsste von Interessenten mit dem Bremer Rennverein verhandelt werden, verursacht aber sicher hohe Transportkosten und –probleme.

GaloppOnline.de: Vor einem Jahr gab es Diskussionen um einen Fehlstart, da sich eine Box etwas zu früh geöffnet hatte. Wie sehen Sie diese Sache rückblickend?

Ralf Steinmetz: Oriental Lion durchbrach in der Außenbox stehend im Moment der Startauslösung Sekundenbruchteile vor den anderen Pferden seine Startbox. Nach Beobachtung des Starts und kurzer Überlegung entschied ich nicht auf Fehlstart. Ich bin auch heute noch der Meinung, dass Fehlstart für dieses Rennen die falsche Entscheidung gewesen wäre und würde heute wieder so entscheiden.

GaloppOnline.de: Wie entscheidend sind aus Ihrer Sicht die Startnummern im Blauen Band?

Ralf Steinmetz: Das hängt sicher von der Order und dem geplanten Rennverlauf ab und so kann sich für einen Frontrenner die Startnummer 20 nicht unbedingt als günstig erweisen. Ansonsten ist auf dieser Distanz die Startnummer meiner Meinung nach nicht unbedingt entscheidend.

GaloppOnline.de: Das Kreisen der Pferde an der Startstelle ist vielen Fans ein Dorn im Auge. Könnte das Einrücken der Pferde nicht wie in den USA gleichzeitig und damit schneller gehen?

Ralf Steinmetz: Wenn ich die Anzahl der Starthelfer wie in Amerika erhalte, ist vieles möglich.

GaloppOnline.de: Wie verfolgen Sie das Derby? Rennen Sie schnell zu einem Platz, an dem Sie einen Überblick haben?

Ralf Steinmetz: Zuerst muss die Startstelle nach dem Derby von den zwei Startmaschinen geräumt und die Innenrails geschlossen werden. Erst danach mache ich mich auf den Rückweg in Richtung Ziel, wobei die Pferde zu diesem Zeitpunkt schon Mitte oder Ende Gegenseite sind. So komme ich meist mit oder kurz vor den Pferden im Zielbereich an. Ich schaue mir dann später die Wiederholung im Fernsehen an.

GaloppOnline.de: Wer sind Ihre Favoriten für das Blaue Band?

Ralf Steinmetz: Beeindruckt hat mich Zazou in der Union. Aber im Derby scheint in diesem Jahr vieles möglich. Deswegen ist es heute vor dem letzten Streichungstermin und dem Nachnennungsschluss zu früh für weitere Favoriten.

GaloppOnline.de: Ist Hamburg mit seiner Vielzahl an Rennen innerhalb weniger Tage eine besondere Form von Stress für Sie?

Ralf Steinmetz: Inzwischen sind viele Rennen in kurzer Zeit ja leider die Ausnahme, der Stressfaktor bewegt sich trotzdem im normalen Rahmen.

GaloppOnline.de: Sind Sie die komplette Woche in Hamburg oder ist Ihr Einsatz beim Direktorium in dieser Zeit auch gefragt?

Ralf Steinmetz: Ich bin am ersten Wochenende in Hamburg und dann wieder am Derbywochenende von Freitag bis Sonntag. Unter der Woche bin ich in Köln am Arbeitsplatz. Die Wochenrenntage werden dann von Tom Maher gestartet.

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