INTERVIEW GERALD GEISLER

INTERVIEW GERALD GEISLER

‚Iffezheim liegt strategisch super‘

GaloppOnline.de: Hallo Herr Geisler, wie gefällt es Ihnen in Iffezheim? Ihre Frühform ist doch sehr beachtlich?

Gerald Geisler: Es ist alles sehr gut angelaufen. Ich hatte gedacht, dass meine Pferde länger brauchen würden, um in Schwung zu kommen. Aber es hat sich ausgezahlt, dass wir bereits am 1. Februar nach Iffezheim gekommen sind. Außerdem muss ich sagen, dass wir sehr gute Pferde im Stall haben, Einige davon waren im letzten Jahr doch unter Wert geschlagen.

GaloppOnline.de: In Iffezheim ist alles ein wenig dörflich. Fehlen Ihnen solche Großstädte wie Wien oder München nicht ein wenig?

Gerald Geisler: Ich muss Ihnen sagen, dass es mich überhaupt nicht stört, nicht in einer Großstadt zu wohnen. Im Gegenteil, ich finde es außergewöhnlich schön, morgens aufzuwachen und es grünt alles rundum. Als Österreicher lebt man in Baden-Württemberg schon als Exot (lacht), so viele gibt es hier eben nicht.

GaloppOnline.de: Wie verstehen Sie sich mit Ihren Trainerkollegen auf der Bahn?

Gerald Geisler: Sehr gut, das muss ich schon sagen. Durch die vielen Rennen in Frankreich geht man sich doch mit den Pferden mehr aus dem Weg. Das war in Riem doch wesentlich anders.

GaloppOnline.de: Apropos Riem, was sind für Sie die wesentlichen Unterschiede zwischen München und Iffezheim?

Gerald Geisler: München hat zwar eine super Trainingsbahn, aber die Anlage ist von der Lage her doch abgekapselt. Da sieht es in Iffezheim gänzlich anders aus, eine strategische Superlage, wie ich meine. Es ist nicht weit nach Frankreich, Italien, in den Westen, zudem liegt der Südwesten quasi vor der Haustüre. Trotz des strengen Winters haben wir mit dem Training rund drei bis vier Wochen Vorsprung gegenüber München.

GaloppOnline.de: Was gibt es aus Ihrem Heimatland Österreich zu berichten?

Gerald Geisler: Da gibt es leider wenig Gutes zu sagen, es gibt dort auch immer weniger Rennen.

GaloppOnline.de: Es fällt auf, dass Sie sehr oft in Dresden antreten. Dresden liegt ja nicht gerade um die Ecke. Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Gerald Geisler: Ich fahre sehr gerne nach Dresden, liebe die Rennbahn in Seidnitz, sie besitzt einen sehr fairen Rechtskurs und eine lange Zielgerade. Die Leute sind hier sehr nett und das Publikum geht bei den Rennen richtig mit. Diabolito hat seit dem letzten Oktober schon drei Rennen gewonnen und war dazu dreimal Zweiter, eine Superbilanz. Gerade die Bahn in Dresden liegt ihm sehr. Da zeigt er seine besten Leistungen, gerade mit Filip Minarik im Sattel.

GaloppOnline.de: Sie haben in Ihrem Stall noch zwei weitere sehr gute Dreijährige mit Leoderprofi und Tarragona. Wie sieht es mit ihnen aus?

Gerald Geisler: Ich hatte das letzte Rennen von Leoderprofi in Mailand im Vorfeld wie immer analysiert und war fast schon geschockt, dass er nicht gewann. Der Hengst kam canternd in die Gerade. Mirco Demuro schien alles im Griff zu haben, doch als er Leoderprofi stärker anpackte, kam nichts. Der Jockey meinte, wir sollten die Scheuklappen weglassen. Trotz des zweiten Platzes in Mailand halte ich den „Profi“ unverändert für ein richtiges Rennpferd, er ist der beste Dreijährige in meinem Stall.

Es fehlt ihm einfach nur momentan das Siegglück. Leoderprofi wird in Italien weitermachen. Tarragona wurde in Frankfurt von Francis Norton sehr gut geritten, auf Dauer halte ich sie auf kurzen Distanzen für ein sehr gutes Pferd. Das hat sie auch schon in der Arbeit mehrfach bewiesen.

GaloppOnline.de: Und Ihre älteren Cracks, wie z. B. Una Promessa. Was gibt es da zu berichten?

Gerald Geisler: Ich bin der festen Meinung, dass Una Promessa Black Type erzielen kann. Die Stute wird die Karriereleiter von unten nach oben erklimmen. Zuletzt in Hannover im Ausgleich II hatte sie ein unglückliches Rennen, war trotzdem nicht weit geschlagen. Mit dem vierten Platz von Winwitsch in Nancy war ich sehr zufrieden. Zwischenzeitlich litt er leider unter Hufproblemen, aber jetzt ist alles wieder völlig ausgestanden. Für ihn geht es am Pfingstmontag in Meran weiter.

Die letztjährige österreichische Oaks-Siegerin Kraiswaja hatte ich in Frankfurt beim Jahresdebüt schon weiter vorne erwartet. Aber die Stute war nicht gut aus der Winterpause gekommen und hat die Form bislang noch nicht gefunden. Für sie geht es erst einmal im Handicap weiter.

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