Einzig und allein der Hindernissport hat noch so etwas wie Tradition im belgischen Rennsport, wie z.B. der Große Preis von Waregem im August/September eines jeden Jahres zu bieten. Längst vorbei sind die Zeiten, als ein gewisser Daun bzw. Strong Gale unter Patrick Gilson den Grand Prix de Prince Rose für Trainer Theo Grieper und das Gestüt Röttgen gewinnen konnte und dessen Dotierung höher war als jedes Grupperennen auf deutschem Terrain.
Heute befindet sich die dortige Galopprennbahn, die unter Denkmalschutz steht und nur einige wenige Renntage im Sommer sieht, vor dem Nichts. Das Gros der belgischen Renntage eines Jahres werden in Ghlin auf einem polytrackähnlichen Geläuf abgehalten und das in steter Regelmäßigkeit, wenn auch auf geringem Niveau.
Allerdings sind solche Trainer, die in nicht rosigen Zeiten auf ihrer Suche nach Startmöglichkeiten für ihre Pferde, wie z.B. die Düsseldorfer Trainer Sascha Smrczek oder Ralf Rohne, gerne auf die dortige Anlage gereist.
Nicht zuletzt deswegen, weil die Galopprennbahn Ghlin gar nicht einmal allzuweit entfernt liegt (Düsseldorf-Ghlin, 230 km) und einen Belag bietet, die den Pferden anders als auf unseren betagten Kursen ohne Dreck schlucken zu müssen sehr entgegen kommt. Einigen aufmerksamen Beobachtern wie auch Trainer Christian von der Recke waren die zu Beginn des Jahres 2009 die für belgische Verhältinisse satten Rennpreiserhöhungen in den Basis-Rennen auf der belgischen Bahn aufgefallen.
So wurde bespielsweise die Siegdotierung in den ‚besseren Rennen‘ von 3000 auf 4000 Euro erhöht. Siegerrennen sind dementsprechend von 2000 auf 3000 Euro gesteigert worden, also eine durchaus lukrative Geschichte für die deutschen Besitzer, wohlgemerkt im Basissport.
Fakt ist aber auch, dass der belgische Verband sogleich viele Rennen schließlich für ausländische Starter geschlossen hat. So erinnert sich Hans Jürgen Kirsch (Gestüt Schallern) aus Erwitte, der bei Ralf Rohne auf dem Düsseldorfer Grafenberg seine Pferde vorbereiten lässt.
„Wir gaben unsere Nennungen für diverse Prüfungen ab und bekamen einige Tage später einen ablehnenden Bescheid, wobei der belgische Verband kurzerhand die Rennordnung 2009 dahingehend geändert hatte, dass die Rennen mittlerweile nur noch offen sind für in Belgien im Training stehende Pferde.
Es kann doch nicht sein, dass wir in Deutschland gerade die Benelux-Starter, die im Übrigen recht erfolgreich mit ihren Pferden auf der Winterbahn agieren, mit Kußhand aufnehmen und im Gegenzug deutsche Besitzer erst gar nicht für die dortigen Rennen zugelassen werden, weil wir in unserer Heimat trainieren lassen. Bedingt durch massive Rennpreiserhöhungen werden die Belgier in Zukunft wohl eher in ihrer Heimat laufen.
Das hat also auch Konsequenzen für die Starterfelder in Deutschland, die deutschen Rennvereine werden dann noch mehr Probleme demnächst bekommen, entsprechende Starterfelder in den Basisprüfungen auf die Beine zu stellen. Es wäre wünschenswert, wenn unser Verband zumindestens intervenieren könnte“, bringt es Kirsch auf den Punkt.
‚Mit einem vereinten Europagedanken hat diese Politik zweifellos nichts mehr zu tun, gerade in Zeiten, wo wir uns Rennpferde halten wollen, die keine Stehpferde sind, aber fehlende Startmöglichkeiten wegen Ausfall von Renntagen wohl in Zukunft eher an der Tagesordnung sein werden. Diese Entwicklung, Rennen nur für startberechtigte Inländer auszuschreiben, entnehmen wir übrigens auch verstärkt den französischen Ausschreibungen.
Dieser zunehmende Protektionismus verhindert den grenzüberschreitenden sportlichen Wettkampf und kostet uns deutsche Besitzer weitere Startalternativen für unsere Pferde“.








