Richardsons genialer Schachzug: Carus v?llig souver

Am vergangenen Sonntag war Jockey Andreas Helfenbein außer sich vor Freude. Freude über den Winterkönigin-Coup mit Shane. Und noch sieben Tage später bewies der gebürtige Frankfurter erneut sein Können, wenngleich es diesmal eine noch leichtere Angelegenheit war als damals.

Auf dem 92:10-Außenseiter Carus (immerhin schon sieben Jahre alt) sicherte sich Helfenbein den Preis der Privatbrauerei Stauder – 71. Silbernes Band der Ruhr, das mit 20.000 Euro ausgestattete und über 3400 führende längste Flachrennen Deutschlands auf Listen-Parkett.

Gerechnet hatten nicht allzuviele mit einem solchen Coup des Spezialisten für weichen Boden am Mülheimer Raffelberg. Doch Trainer Dave Richardson (Foto), der 2006 nicht gerade vom Glück begünstigt war, hatte in die Trickkiste gegriffen und den Taishan-Sohn des Stalles Borsalino erstmals auf einer solch weiten Distanz gesattelt.

Ein genialer Schachzug, den nach einem Rennen aus dem Vordertreffen verabschiedete sich Carus auf eine Weile Vorsprung. Limatus schob sich vor Phantastic Wings auf den Ehrenplatz, während der Favorit und Vorjahreszweite Lamantan aus bester Lage schwer tat und nur Vierter wurde (Dirk Austmeyer: ‚Ihm fehlte etwas die Frische‘). Auch Evinado, der wie in Köln das Rennen vorne ‚klauen‘ wollte, war bald kein Faktor mehr.

‚Es war ein Versuch auf dieser Strecke, das ist geglückt‘, freute sich Trainergattin Bobby Richardson (ihr Mann weilte ihn Paris, wo er am Montag einen Starter hat). ‚Er ist so frisch und munter, dass wir es vielleicht noch einmal im Ausland versuchen.‘

Wenige Zeit nach dem Youngster-Erfolg von El Comodion in Bremen durfte sich das Gestüt Wittekindshof über einen weiteren Zuchterfolg freuen, doch diesmal trug der Sieger am Raffelberg auch die Namen der hocherfolgreichen Zuchtstätte: Le Big, ein von Big Shuffle stammender Halbbruder der klassischen Siegerin La Blue und des hochgehandelten, aber früh abgetretenen Le King, triumphierte in der Maidenklasse der Zweijährigen wie ein Pferd mit einer tollen Zukunft.

Adrie de Vries ließ auf dem Schützling von Andreas Trybuhl Start-Ziel nichts anbrennen, erfreute die Favoritenwetter (der Hengst, der beim Debut nicht weit hinter dem späteren Winterfavoriten Molly Max gelandet war, stand 17:10). Kirunavaara und First Stream auf den Plätzen mussten die Überlegenheit von Le Big anerkennen, der tatsächlich ein Großer zu werden scheint.

Geirrt hatten sich die meisten Wetter im stark besetzten Altersgewichtsrennen. Auf 14:10 hatten sie die ehemals klassisch platzierte Stute Quadrupa heruntergewettet, obwohl sie schon zuletzt hinter Stall Mydlinghovens Whisperer gelandet war. Der von Hans-Albert Blume trainierte Wallach kaufte der Lady schon im Schlussbogen den Schneid ab, setzte sie an der Spitze zunächst unter Druck, um sie dann rasch abzulösen.

Auf gewaltigen Vorteil verabschiedete sich Whisperer mit Peter Heugl vor A beautiful mind, während Quadrupa sogar noch den dritten Rang an Timm´s Miracle abgeben musste, der normalerweise im Handicap 24 (!) Kilo unter ihr steht!

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