LESERBRIEF: Seit ca. drei Jahren verfolge ich mit Interesse die Diskussionen um den deutschen Galopprennsport in den verschiedenen Medien und unter den sogenannten Fachleuten und Machern des deutschen Rennsports.
Als Besitzer einiger Rennpferde finde ich, wie von vielen Personen und Medienberichten bereits angesprochen, die Situation im deutschen Galopprennsport sehr bedrohlich. Sowohl für Besitzer, Züchter und Rennvereine und nicht zuletzt für alle im Rennsport beschäftigten Personen ist die Perspektive sehr schlecht.
Es wurde verstärkt in den letzten Wochen und Monaten fast wöchentlich auf diese sehr schwierige Situation hingewiesen und aufmerksam gemacht. Auch wurden viele Anregungen und Vorschläge veröffentlicht, um die schlechte Situation zu verbessern.
Einige dieser Vorschläge würden mit Sicherheit in der richtigen Bündelung helfen, die Situation im Rennsport etwas zu verbessern. Voraussetzung ist natürlich, dass die verantwortlichen Manager in den Rennvereinen und im Direktorium gemeinsam und ernsthaft etwas an der desolaten Situation ihrer Unternehmen, denen sie als Manager vorstehen, verändern würden.
Leider wurden trotz der erheblichen Umsatzeinbrüche der letzten Jahre auf den Rennbahnen keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen. Das Management eines jeden Rennvereins versucht sicherlich mit größter Anstrengung, seine eigene Haut zu retten und mit eigenen Konzepten zu überleben.
Obwohl es in einer solchen Situation betriebswirtschaftlich nur die Möglichkeit der Stärke durch Konzentration und Zusammenschluss gibt, versucht ein jeder Geschäftsführer seine eigene Lösung.
Das Ergebnis ist leicht zu überprüfen:
Woche für Woche, Monat für Monat bei 90 % der wichtigen Rennbahnen und Rennvereine UMSATZEINBRÜCHE!
Wann gelingt es endlich die Manager der Dachverbände und der Rennvereine davon zu überzeugen, dass man sich bei den Wettumsätzen im freien Markt der Kräfte bewegt und sich auch auf diese Kräfte (Wettbewerber) einstellen muss?
Die Situation bei den Rennvereinen ist nicht wesentlich anders als bei vielen Branchen in der freien Wirtschaft. Auch in vielen Unternehmen der freien Wirtschaft hat man in den letzten Jahren ähnliche Erfahrungen machen müssen wie die Rennvereine im Galopprennsport. (Umsatzrückgang)
Es gab zwischen 1986 und 1994 Unternehmen, die nicht wussten, auf welchen Kontinent sie aufgrund ihrer jährlichen Umsatz- und Gewinnsprünge ihre Manager und leitenden Angestellten zu Funreisen einladen sollten.
Die Umsätze und Gewinne dieser Unternehmen stiegen pro Jahr im zweistelligen Bereich, und alle Manager waren die großen Stars. Ohne große Ankündigung, jedoch rapide und schnell, veränderte sich ab 1995 die Marktsituation. Es kamen ständig neue Mitbewerber und Konkurrenten mit neuen Servicegedanken und neuen Angeboten.
Innerhalb von 2-3 Jahren verschwanden im Zuge dieser neuen Angebote durch Wettbewerber die oben genannten Unternehmen mit ihren Stars. Einige Unternehmen hatten noch das Glück, dass der Wettbewerber sie aufgekauft hat und nur das Management ausgetauscht wurde, andere endeten leider im Konkurs.
Grund für diese ‚unglaublichen Veränderungen‘ in diesem Bereich waren nicht die zurückgehenden Umsätze bzw. Investitionen in diesem Markt, sondern es war die Konkurrenz, der Wettbewerb, der sich mit neuen Angeboten und besseren Serviceangeboten den Zuspruch und den Umsatz der Kunden sicherte.
Die Unternehmen, die vom Markt (Wettbewerb) verdrängt wurden, hatten zu 90 % alle die gleichen Probleme:
Schlechtes und unvorbereitetes Management. Diese Manager lebten trotz der großen Veränderungen in ihrem Umfeld immer noch den Traum ‚es war schon immer so‘ oder ‚wir haben das schon immer so gemacht.
Plötzlich war alles vorbei, und die schlecht geführten Unternehmen waren Konkurs gegangen. Die etwas bessere Lösung für die Mitarbeiter war der Fall, dass die schlecht geführten Unternehmen vom Wettbewerb übernommen wurden.
Diese etwas bessere Lösung (Übernahme durch den Wettbewerb) wird es im Rennsport leider im Moment nicht geben können. Der private Betrieb von Rennbahnen ist im Gegensatz zu Amerika und anderen Ländern in Deutschland nicht erlaubt. Die Lösung aller Probleme liegt im freien Markt immer beim Management des jeweiligen Unternehmens. Dies ist auch im Galopprennsport nicht anders. Das Management muss sich immer rechtzeitig den veränderten Wettbewerbsbedingungen stellen und diesen mit eigenen Konzepten begegnen.
Manager, die Ihre Unternehmen nicht den veränderten Marktsituationen rechtzeitig anpassen, werden über kurz oder lang mit Ihren Unternehmen verschwinden. Der Grund für schlechte Umsätze oder Gewinne liegt zu über 90 % immer beim Management, das nicht oder zu spät auf Veränderungen reagiert. Diese Situation ist leider auch seit Jahren im Galopprennsport zu beobachten. In den Vereinen und an der Spitze der Dachorganisation des Galopprennsportes sind seit Jahren überwiegend die gleichen Manager. Aufgrund mir nicht nachvollziehbarer Zwänge oder aus Unwissenheit, hat man trotz der nachvollziehbaren dramatischen Umsatzrückgänge für den Beobachter nichts an der Situation des Produktes ‚Wetten‘ verändert.
Nun hofft man aufgrund der Situation bei den Sportwetten, dass der Gesetzgeber mit neuen Verordnungen helfen könnte. Ich glaube, dass diese Hilferufe völlig unrealistisch sind und auch in einem vereinten Europa nicht gehört werden können. In der freien Wirtschaft kann auch ein Unternehmer nicht nach dem Staat rufen, wenn ihm die Konkurrenz mit besseren Angeboten und einem neuen Servicegedanken (Internet) die Kunden abgeworben hat.
Konkurrenz/Wettbewerb ist für mich das Schlüsselwort im deutschen Galopprennsport und bei den Rennvereinen. Wenn man Jahr für Jahr feststellt, dass der Umsatz auf allen Rennbahnen zurückgeht, der Wettbewerb/Konkurrenz jedoch (in den letzten 10 Jahren) immer mehr Geschäfte eröffnet und immer mehr Mitarbeiter einstellt, so muss man auf diese Veränderungen reagieren.
Leider haben die Verantwortlichen im deutschen Galopprennsport auf diese Wettbewerber nicht mit intelligenten eigenen Alternativlösungen reagiert, sondern haben versucht, sich mit dem Wettbewerb zu verbinden und partnerschaftlich zu arbeiten.
Dieser Versuch ist leider gescheitert und hat zu der heutigen Situation im Rennsport geführt. Jeder Wettbewerber der Rennvereine hat seine eigene G+V und seine persönlichen Ziele. Die Rennvereine und die Wettbewerber haben das gleiche Ziel, nämlich UMSATZ UMSATZ UMSATZ!
Nur durch genügend Umsatz entsteht sowohl bei den Rennvereinen als auch bei den Wettbewerbern nach Abzug aller Kosten ein Deckungsbeitrag. Die Anzahl der Kunden und somit der Wetter ist jedoch nicht beliebig durch Auftreten neuer Wettbewerber zu erhöhen. Somit ist auch der Umsatz nicht einfach zu erhöhen. Wenn man bedenkt, dass trotz des angeblich extremen Kostenaufwandes für die Wettbewerber (Bilderkosten, Personal, Miete, etc) immer mehr Geschäfte entstanden sind, so muss man sich um den Gesamtumsatz im Galopprennsport zwar Gedanken machen, er scheint jedoch nicht existenzbedrohend zu sein.
Ich bin sicher, dass kein Wettbewerber über Jahre Bilder für deutsche Pferderennen bezahlt, um am Ende des Jahres in seinem Geschäft Verluste auszuweisen. Es wird höchste Zeit, dass die Spitze des deutschen Galopprennsportes und die Manager und Verantwortlichen bei den Rennvereinen erkennen, das man eine eigene Gesamtstrategie gegen und nicht mit dem Wettbewerb schnellstens erstellen und umsetzen muss. Als Hersteller eines Produktes (Bilder von Pferderennen) muss man sein Produkt schützen und versuchen, Wettbewerbsvorteile zu halten, oder besser noch auszubauen.
Unter diesen in der Wirtschaft selbstverständlichen Erkenntnissen ist es mehr als unverständlich, dass einige Rennvereine Wettbewerbern auf ihren Rennbahnen, an den besten Stellen (im Führring) Werbepositionen verkaufen. Diese Situation ist nach meiner Ansicht einmalig und nur im Galopprennsport zu finden. Als Rechtfertigung wird von den Rennvereinen argumentiert, dass diese ‚Partner‘ den Rennsport bzw. die Rennvereine als Sponsor mit erheblichen Rennpreisen unterstützen. Die Realität im freien Markt, und nur danach handeln die Wettbewerber ‚Partner‘ der Rennvereine, sieht jedoch etwas anders aus.
Kein Wettbewerber ‚Partner‘ wird mehr Geld als Sponsor in den Markt investieren, als er am Ende des Jahres als Gewinn/Profit aus dieser Partnerschaft erwirtschaftet. Somit dürfte sicher sein, dass es die Wettbewerber des Galopprennsportes verstanden haben, mit ihren neuen Angeboten und neuen Servicegedanken die Kunden der Rennbahnen und somit die Umsätze des Galopprennsports für Ihre eigene G+V zu verbuchen.
Es muss von Seiten des Dachverbandes und der Rennvereine kurzfristig eine Situation geschaffen werden, damit man den Wettbewerbern auf Augenhöhe begegnen kann, um ständig auf diese neuen Anforderungen zu reagieren. Für diese Aufgabe ist es absolut Pflicht, dass die Rennvereine und der Dachverband an ihren entscheidenden Positionen mit Vollprofis besetzt werden.
Diese Personen müssen wie die Wettbewerber täglich 18 Stunden daran denken, wie sie den Umsatz und den Profit der Rennvereine steigern können. Diese müssen sich täglich mit Ihrem Produkt ‚Pferdewette und Alternativen‘ und mit dem Wettbewerb auseinandersetzen.
Nach meiner Überzeugung hat der Galopprennsport in Deutschland nur noch eine Chance:
Die Rennvereine und der Dachverband müssen in einer Unternehmensstruktur (entweder GmbH oder AG) zusammengefasst werden. Die verdienten Funktionäre und die heutigen Keyplayer des deutschen Turfs sollten im Aufsichtsrat oder in einem Beirat ihre neue Aufgabe finden und hier weiterhin bedingt Einfluss nehmen können. Es muss aber ein zentrales Management implementiert werden. Dieses Management trifft alle operatien Entscheidungen für den deutschen Galopprennsport, ohne mit allen Vereinsfunktionären gleicher Meinung sein zu müssen. Die ‚Partner/Wettbewerber müssen sich verpflichten, bei einer für beide Seiten akzeptablen Vermittungsprovision alle Wetten auf die Rennbahnen zu vermitteln.
Nur unter diesen Umständen wird es möglich sein, dass auch die etwas höheren Sieg- und Platzwetten wieder auf der Rennbahn und bei den Rennvereinen ankommen. Das Produkt der Rennvereine, die Bilder, darf nach Ablauf der bestehenden Verträge mit den Wettbewerbern nur noch unter ganz bestimmten Voraussetzungen bei diesen Wettbewerbern zu sehen sein.
Auch die Bilder im Internet und für private Kunden müssen an bestimmte Bedingungen (Umsatz, etc) geknüpft werden. Hierfür ist es selbstverständlich erforderlich, dass der Dachverband zusammen mit den Rennvereinen eine zentrale Internetplattform vorstellt und freigibt, auf der die vorgegebenen Umsätze gewettet werden können.
Auch diese Umsätze müssen zu 100% auf den Rennbahnen ankommen. Sollte man die notwendigen Profis für die neue Unternehmensstruktur nicht bei den Rennvereinen oder im Direktorium finden können, so muss man sich diese Topleute vom freien Markt beschaffen. Nur mit den besten Managern und Profis aus diesem Umfeld wird der Rennsport es hoffentlich schaffen, sich den veränderten Bedingungen am Markt erfolgreich zu stellen.
Der gesamte deutsche Galopprennsport muss kurzfristig neu organisiert werden, um seine wohl letzte Chance zu nutzen und den Konkurs vieler Rennvereine zu verhindern!
Klaus Hofmann











